RAISON

Zeitschrift für gesellschaftliche Entwicklung

Gesellschaft

Der Islamunterricht in Österreich

Vision versus Realität – Wäre es jetzt nicht an der Zeit, dass sich der Staat nun doch einmischt?

von Aly El Ghoubashy


Der Islamunterricht in Österreich wäre eine gute Möglichkeit für uns Muslime, uns hier in Österreich zu integrieren. Es mag sein, dass die Schüler nur ein oder zwei Stunden Unterricht in der Woche haben, doch kann man in dieser Zeit viel bewegen. Man kann offen sagen, dass wir bis jetzt kaum Ziele erreicht haben, die wir uns seit den 80er-Jahren gesetzt haben.

Die ersten zwanzig Jahre wollte man die Schulen nur mit islamischen Religionslehrern „füllen“. Jedoch mit welcher Art von Lehrern? Man wollte sich eigentlich durch die Anstellung bestimmter Personen nur die Loyalität verschiedener islamischer Vereine „erkaufen“. Erst in den letzten Jahren organisierte man Fortbildungen für die Lehrer durch das islamisch-pädagogische Institut in Wien (IRPA). Das IRPA wurde aufgebaut und Inspektoren angestellt. Das alles klingt zwar recht gut, doch es bleibt sehr fraglich, ob die Qualität des Unterrichts dadurch besser geworden ist. Warum kommt es nun zu keinem Fortschritt? Bevor ich dieses Thema näher erläutere, möchte ich kurz meine bisherigen Erfahrungen als Religionslehrer teilen.

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Bildung in der Verwertungslogik

Zur Geschichte der Bildungsreformen und zu den Perspektiven der aktuellen Protestbewegung

von Gerald Faschingeder

Es war ein heißer Herbst für die österreichischen Universitäten: Seit der zweiten Oktoberhälfte 2009 besetzen Studierende eine Reihe von Hörsälen und Universitätseinrichtungen. Zunächst nur in Österreich, doch allmählich breitete sich die Bewegung in den deutschen Sprachraum und auch darüber hinaus aus. Die Studierendenproteste kamen zu einem Zeitpunkt, als die Auswirkungen der Umstellung der Studienpläne auf die Bologna-Architektur sehr konkret erfahrbar wurden. Bei gleichzeitiger Steigerung der Zahl der Neu-Inskribenten um 13% sind die Universitäten trotz Budgeterhöhungen – im Zeitraum von 2000 bis 2007 um immerhin 50%1 – zunehmend überfordert, ihre Leistungen in zufriedenstellender Art und Weise zu erbringen.

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Institutionenkunde und Propaganda

Politische Bildung an Österreichs Schulen zwischen 1918 und 1938

von Roman Pfefferle

Politische Bildung produziert politische Kultur. Ausgehend von dieser allgemeinen Feststellung geht es in vorliegender Beitrag darum, die unterschiedlichen Bedingungen und Inhalte politischer Bildung an Österreichs Schulen von 1918 bis 1938 einer Analyse zu unterziehen. Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass politische Eliten über das Instrument politischer Bildung Einfluss auf die Bevölkerung nehmen, um damit ein bestimmtes politisches Verhalten hervorzurufen. In diesem Zusammenhang werden zwei Epochen österreichischer Geschichte analysiert: die Erste Republik und die Zeit des austrofaschistischen Ständestaates. Einschlägige Schulbücher bieten in diesem Zusammenhang einen breiten Fundus an Material, das sich zur Analyse von politisch-kulturellen Orientierungen unterschiedlicher Perioden eignet und seitens der Politikwissenschaft bisher nicht systematisch genutzt wurde. Diese Eigenschaft lässt sich auf unterschiedliche Faktoren zurückführen. Einerseits geht es um den Faktor des Schulbuchs als Politikum und den damit in Verbindung stehenden Approbationsprozess von Unterrichtsmaterialien. Zum anderen werden Schulbücher mit expliziten oder impliziten politischen Inhalten im schulischen Sozialisationsprozess verwendet und beeinflussen so das Entstehen politischer Weltbilder auf individueller Ebene. Drittens lässt sich anhand von Schulbüchern aus unterschiedlichen Perioden der politische Kulturwandel ablesen. Somit lässt sich folgender Kreislauf darstellen, der die Konzepte der politischen Kultur und der politischen Bildung miteinander in Verbindung bringt

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Über Sprache hinaus...

Die Aushandlung von Mehrsprachigkeit und ihre Bedeutung für den Bildungsbereich

von Judith Purkarthofer und Jan Mossakowski

Mit der Formulierung „monolingualer Habitus der Schule“ brachte Ingrid Gogolin 1994 eine aus bildungs- und sprachwissenschaftlicher Perspektive vorhandene Kritik auf den Punkt, die sich gegen die alltägliche Praxis der Nichtbeachtung oder gar Zurückweisung von Mehrsprachigkeit bzw. sprachlicher Diversität in Schulen wandte. Fünfzehn Jahre nach dem Befund Ingrid Gogolins gilt dieser mehr denn je. Viele jener Sprachen, die Lernende in Kontexten außerhalb der Bildungsdomäne verwenden und leben, werden als Belastung für Bildungsarbeit empfunden – und damit oft auch die Sprechenden selbst. Anstatt die Ressourcen zu sehen, die sie in die Institutionen einbringen, werden sie verdächtigt, die institutionseigenen Ressourcen über Gebühr zu beanspruchen. Die tatsächliche Mehrsprachigkeit der Schule (und nicht die Mehrsprachigkeit, die sie vermitteln will) wird noch immer als mühsame Realität angesehen, die zusätzlichen Aufwand erfordert und häufig Schuldzuweisungen im Diskurs über Migration oder Integration generiert. Was steckt aber dahinter, dass sprachliche Diversität in manchen Situationen nicht als Potenzial erlebt und genutzt wird? Und in welcher Weise könnte auf diese Prozesse reagiert werden, um Mehrsprachigkeit zugänglicher und positiver erlebbar zu machen?

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Der Standort bestimmt die Chancen

Menschen mit Behinderung im tertiären Bildungsbereich

von Barbara Levc

Wenn uns – insbesondere in der Vorweihnachtszeit – in diversen Medien behinderte Menschen vor allem als HerstellerInnen von Kerzen und naiven Bildchen in Werkstätten präsentiert werden, dann ist das nur ein Teil der Wirklichkeit und verdeutlicht die konsequente Weigerung öffentlicher Medien, anzuerkennen, dass die Gruppe der Frauen und Männer mit Behinderung das gesamte gesellschaftliche Spektrum an sozialer Herkunft, Begabungen, Kompetenzen und Bildungsverläufen umfasst. Eine Behinderung stellt nur eine von vielen Eigenschaften einer Person dar. In der Wahrnehmung durch die Umwelt wird sie aber meist zum dominierenden Merkmal und bestimmt dementsprechend auch die Erwartungshaltungen dieser Umwelt gegenüber der behinderten Person: „Die Grenzen im konkreten Leben behinderter Menschen sind auch durch die Grenzen im Kopf der Nichtbehinderten bestimmt, durch das, was sich diese an unterschiedlichen Lebensformen vorstellen können und wollen.“

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