RAISON

Zeitschrift für gesellschaftliche Entwicklung

RAISON - Europäische Union

B wie Bildung und Bologna – was sonst?

von Gertrude Brinek

Bildung und Bildungsinstitutionen sind im Gespräch und damit Gegenstand sowohl öffentlicher als auch von Experten geführter Auseinandersetzungen. Während im schulischen Bereich die Frage des gerechten Zugangs zu (höherer) Bildung dominiert, rankt sich die Hochschuldiskussion um die grundlegende These von der Unverzwecktheit universitärer Bildung und ihrer Organisation.

Die letzten Reformen und Neuerungen, im speziellen das Universitätsgesetz 2002, haben in Österreich Veränderungen bewirkt, die sowohl bei der betroffenen Community als auch in der Öffentlichkeit große und zugleich ambivalente Resonanzen hervorgerufen haben. Damit war auch zu rechnen, hieß es doch Abschied nehmen von langjährigen Traditionen wie der strukturellen Anlage der Universitäten als nachgeordnete Dienststellen des Ministeriums, einer mikrogesteuerten Personalpolitik, der budgetären Abwicklung von getrenntem Personal- und Sachaufwand qua kameralistischer Systeme, dem bis dahin ungeregelten konkurrenzlosen Universitätszugang u. a. m. Die Kunst lag darin, sich in einem zweifellos nur für Insider überschaubaren, hierarchischen System, d. h. auch ohne geeignete datengestützte Grundlage, zurechtzufinden.

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Die Illusion eines grenzenlosen Europas

Zum Einfluss sozialer Herkunft auf die horizontale Europäisierung am Beispiel der studentischen Mobilität

von Martin Reiss

Im Vorfeld der letzten Europaparlamentswahlen widmete das ZDF der Europäischen Union in der Nacht vom 2. auf den 3. Juni 2009 einen Themenschwerpunkt in seinem Programm. Im Rahmen dieser Langen Nacht der Europawahl wurde unter anderem ein Beitrag gesendet, der eine andere Seite der europäischen Integration beleuchtete, abseits von Brüsseler Bürokratie und Währungsunion.10 Er beschäftigte sich mit transnationalen Liebespaaren, die eine Fernbeziehung innerhalb der EU führten. Am Beispiel eines deutsch-französischen Paares wurde gezeigt, wie nicht nur der Alltag dieser Partnerschaften von Prozessen der europäischen Integration profitierte, sondern auch wie die eine oder andere Beziehung selbst erst im Zuge dieser zustande gekommen war. So lernte der deutsche Unternehmensberater aus Frankfurt am Main die französische Modestudentin aus Paris während eines Erasmus-Semesters in der französischen Hauptstadt kennen und lieben. Dank Internet, preiswerter Telefontarife für Gespräche innerhalb der EU-Kernzone und nicht zuletzt günstiger Flugverbindungen zwischen deren Heimatstädten, konnten die beiden ihre Beziehung auch nach seiner Rückkehr an die Main-Metropole aufrechterhalten. Auf Grund der Niederlassungsfreiheit waren die im Beitrag porträtierten Paare auch hinsichtlich einer gemeinsamen Zukunft optimistisch. Sie können somit als besonders gelungene Variante des europäischen Zusammenwachsens gesehen werden.

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